AFMB - Agentur für Meinungsbildung
AFMB - Agentur für Meinungsbildung
AFMB - Agentur für Meinungsbildung

Meine Instrumente

18 Dec 2014

Moderne Konzert-Blockflöten gäbe es nicht ohne ihre Hersteller. Die meisten Instrumente werden von grossen Firmen für den Lehrbetrieb oder auch den Liebhaber in klassischen Musikgeschäften und online verkauft. Alle Instrumente, auf denen ich meine Konzerte musiziere, sind jedoch von Hand hergestellt. Instrumenten- Bauer, die sich auf den Blockflöten-Bau spezialisiert haben, drechseln, schnitzen und ölen ihre Instrumente vom Baumstamm weg bis zum fertigen Produkt in tagelanger minutiöser Arbeit. Die Instrumentenbauer kenne ich persönlich und schätze den Austausch. Dabei arbeitet jeder nach seinem eigenen Geheimnis und Wissen. Unter Blockflötisten wird der Flöten-Bauer bereits am Klang seines Instrumentes erkannt, ohne dass man beim Spieler nach dem Hersteller fragen muss.

 

Da die Blockflötisten selber transponieren müssen, ist die Instrumenten-Sammlung in meinem "Flöten-Kasten" relativ umfassend. So müssen für unterschiedliche Werke und Epochen, unterschiedliche Stimmungen und Ensemble-Zusammenstellungen sowie diverse Konzert-Orte verschiedene Instrumente zur Verfügung stehen.

Meine Flöten der ältesten Epoche gehören zu einem Blockflöten-Consort. Hier wurden nach historischen Massen - dazu wurden Originalinstrumente in Museen genauestens vermessen - Flöten aus nur einem einzigen Stamm gebaut. Im Quartett gespielt klingt es beinahe wie eine Orgel, voll und ziemlich laut. Als solistische Instrumente eignen sich diese Flöten nicht. Dazu sind sie in Klang und Ansprache zu unflexibel.

 

Die frühesten Instrumente, die ich als Solistin im Konzert einsetzt, sind frühbarocke Blockflöten. Sie haben noch eine grosse Bohrung, klingen ebenfalls laut, doch sind sie schon schneller und artikulatorisch präziser spielbar. Da - je nach Konzert-Programm und Ensemble - unterschiedliche Stimmungen benötigt werden, gibt es diese Flöten oft mit einem Kopfstück und mehreren dazu gebauten Unterteilen. Ich besitze Unterteile in a= 415Hz, 442Hz und 466 Hz, wobei die Instrumente mitteltönig gestimmt sind.

 

Die Blockflöten der Hoch-Barockmusik bilden den grössten Teil meiner Instrumente in Gebrauch. Auch hier gibt es verschiedene Stimmungen (a=392Hz, 415Hz, 442Hz, 466Hz) und Grundtöne, so dass die Flöten in allen Grössen von Bass- über Tenor-, diverse Alt-, Sopran- und Sopranino-Blockflöten im Kasten liegen. Da man mit diesen Instrumenten die grossen Barock-Sonaten, Suiten, Konzerte und Kammermusikwerke musiziert, ist man auf unterschiedlichste Klangfarben und Möglichkeiten angewiesen. Dabei möchte ich auf meinem Instrument genau die Interpretation umsetzen können, die ich mir überlegt habe; klanglich, artikulatorisch, gestisch. Je nach Werk aber auch Aufführungsort und Konzert-Saal wird oftmals erst vor Ort entschieden, welches Instrument erklingen wird. Hierfür muss ich jedes Instrument genau kennen und spontan von einer Flöte zur anderen wechseln können. Dies geht nur, wenn die

Blockflötenbauer wiederum die Instrumente so herstellen, dass sie genau meiner Spielart, meiner Ausdrucksweise und meinem Klang passen. Soll die Flöte neben den Streichern solistisch, brilliant und klar verständlich klingen? Oder vielleicht bei einem Ensemble-Stück mit dem Violin-Klang verschmelzen können? Oder evtl. nur eine unbestimmbare Klangfarbe in einer Bach-Kantate darstellen? Es sind viele Fragen, die mit jedem Werk und jeder Situation neu entschieden werden. Diese Hochbarock-Blockflöten bilden dabei unzählige Möglichkeiten. Auch das Material, aus dem die Flöten gebaut sind, ist dabei entscheidend. Die meisten meiner Instrumente sind aus Buchsbaum gebaut, andere aus Grenadill, Rosen- oder auch Olivenholz. Historische Blockflöten des 17. und 18. Jahrhunderts sind anders als zB die Streichinstrumente nicht mehr spiel- und im modernen Konzert-Saal auch nicht mehr einsetzbar. Der Speichel zerstört den sensiblen Block und Holzwürmer fanden ein gutes Essen. In Museen kann man jedoch Originalinstrumente noch besichtigen.

 

Schlussendlich liegen im Blockflöten-Kasten auch Instrumente, die ich hauptsächlich für moderne Werke, die teilweise mit Live-Elektronik ergänzt werden, benutzte. Die zeitgenössische Blockflöten-Musik ist ein weites, jedoch auch komplett anderes Feld, in dem wieder andere Klangideale gesucht und technische Ansprüche gestellt werden.

 

Meine Sammlung ist also gross. Und dennoch habe ich immer wieder das Gefühl, dass mir für genau dieses Stück nun ein bestimmtes Instrument fehlt...und dann kann man nur zum Blockflöten-Bauer gehen und ihn fragen, ob er genau dieses Instrument anfertigen kann und wann...

Text: Sabrina Frey

 

 

 

 

 

 

Please reload

Featured Posts

G.Ph.Telemann: Sonate in f-Moll für Blockflöte und B.c. 2.) Allegro

16 Sep 2014

1/4
Please reload

Recent Posts
Please reload

Archive
Search By Tags
Please reload

Please reload

Follow Us
  • Facebook Reflexion
  • YouTube-Reflexion