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Die Barockmusik im 21. Jahrhundert

15 Jan 2015

Viele Konzert-Besucher sind sich heute nicht der Tatsache bewusst, dass das Wort „Barock“ für die Zeitgenossen negativ besetzt war und die Musik erst seit 1920 wieder bewusst ausgegraben und aufgeführt wurde. Allein Johann Sebastian Bach hatte es dank der Wiederaufführung der Matthäuspassion durch Mendelssohn bereits im 19. Jahrhundert geschafft, wieder Gehör zu bekommen. Vivaldi war zum Beispiel 1900 noch völlig unbekannt. Doch was bewegt mich heute, diese Alte Musik aufzuführen?

 

Die Kompositionen der frühbarocken Werke sind am besten als Miniatur- Theaterstücke beschreibbar. Innerhalb eines Werkes können sich das Tempo, die musikalische Aussage und der Ausdruck von Takt zu Takt komplett ändern. Wie die Musiker die Stücke damals genau spielten, wissen wir nicht. Doch benötigt die Aufführung eines frühbarocken Werkes stets ein durchdachtes Konzept. Dieses sich zu überlegen, auszuprobieren und eventuell mehrere Konzepte über den Haufen zu werfen bis ich das für mich richtige gefunden habe, interessiert mich und empfinde ich als Herausforderung.

 

Bei den Hochbarock-Komponisten bin ich davon fasziniert, wie diese mit all ihren zur Verfügung stehenden musikalischen Mitteln versuchten, Affekte - menschliche Gefühle, Stimmungen und Charaktere -  darzustellen. Melodien, Rhythmen und Klangfarben wurden diesem Ziel untergeordnet. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen stets gleich empfinden können und sich dies in den letzten Jahrhunderten nicht geändert hat. Die Barockmusik nun so darzustellen, dass sie auch heute unsere Gemütszustände widerspiegelt, ist eine faszinierende Aufgabe. Die Streich- und Blasinstrumente dieser Zeit waren nicht auf einen lauten und Raum füllenden Klang ausgelegt, sondern darauf, ein möglichst breites Klangspektrum spielen zu können. Der Klang der Instrumente sollte an die menschliche Stimme mit all ihren Nuancen erinnern. Heute kommt der Aspekt des modernen Konzert-Saals hinzu. Mit der Barockmusik möchte ich eine Brücke von 300 Jahren in die Gegenwart spannen.

 

Für viele Barockmusik-Formen bildete der sogenannte Generalbass – basso continuo – den Orientierungspunkt. Ein Generalbass ist eine Komposition, in deren schriftlicher Form nur die Bassstimme festgehalten ist. Wie dieser schlussendlich besetzt wurde und wird, bestimmte der Solist. So macht auch ich mir bei der Aufführung eines Werkes besondere Gedanken darüber, wie der Generalbass zu besetzen sei. Als mögliche Instrumente stehen die folgenden zur Verfügung: Cembalo, Theorbe, Violoncello, Viola da Gamba, Fagott oder Laute. Einige können hierbei auch improvisierend eingesetzt werden. Dies macht die Interpretation stets lebendig, unterschiedlich und gestaltet auch das Zusammenspiel von uns Musikern in den Konzerten immer aufs Neue voller Spannung und Energie.

 

 

Die Barockmusik ist für mich trotz der zahlreichen Regeln der historischen Aufführungspraxis ein Feld voller Kreativität und Ideenreichtum. Diese Musik heute so erklingen zu lassen, dass diese auch das Konzert-Publikum des 21. Jahrhunderts anspricht, ist mein Wunsch und Anliegen.

 

Text: Sabrina Frey

 

 

 

 

 

 

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