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Das Flattement auf der Blockflöte

1 Apr 2015

 

Das barocke Ornament Flattement auf der Blockflöte benutzen wir zur Interpretation der Barockmusik relativ häufig. Schade, dass man es dabei leider oft nicht hören kann. In dem vorliegenden Video zeige ich einige Beispiele auf, wie man das Flattement auf der Blockflöte umsetzen könnte. 

 

ZEITGENÖSSISCHE STIMMEN

Der Name „Flattement“ kommt von Flatter und wurde, wie der Name schon sagt, dazu eingesetzt, um den Blockflöten-Ton zu streicheln, schmeicheln. Jacques Hotteterre beschreibt 1707, er mache das Flattement durch rasches Klopfen des ausgestreckten Fingers gegen die Seite eines Loches direkt unter dem letzten geschlossenen Loch, durch rasches Klopfen auf das ganze Loch weiter unten am Instrument oder durch Schütteln des Instrumentes, wenn kein Finger-Flattement möglich war.

„Principes de la Flute“ in Kapitel IX:

"Das Flattement oder die schwache Hebung wird fast wie der gewöhnliche Triller ausgeführt mit dem einen Unterschied, dass man am Schluss immer den Trillerfinger hebt. Ausserdem macht man es auf enfernteren Löchern und einige am Rande oder der äussersten Kante der Löcher. An dem Falteten ist, im Gegensatz zum gewöhnlichen Triller, der untere Ton beteiligt.(…)

Um nach der Reihenfolge der ersten (Griff-)Tafel mit den Faltetest des tiefen und natürlichen D zu beginnen", (Anm.: bei der Blockflöte wäre das entsprechend das F auf der Alt-Blockflöte und das D auf der Voice Flute oder Tenor-Blockflöte in D) "so habe ich davon gesagt, dass es sich nur künstlich erzeugen lässt, da man keinen Finger hat, um es zu bilden. Man erschüttert die Flöte mit der unteren Hnd, da alle Finger damit beschäftigt sind, die Löcher zu decken. Mit diesem Hilfsmittel kann man das gewöhnliche Flattement nachahmen". 

 

Im weiteren führt Hotteterre aus, wie die Flattements auf jedem Ton der Traversflöte genau zu gestalten sind. Interessierte Leser bitte ich, dies bei der Originalquelle nachzulesen.

 

Delusse hingegen schreibt 1761, er bilde das Ornament durch Schütteln der Flöte mit dem linken Daumen oder „aktive Bewegung der Lunge: hou, hou,, hou…“

 

Corrette schreibt um 1735, er mache die Verzierung mit einem Crescendo-Decrescendo. 

 

"Das Flattement ist eine langsame Verzierung, langsamer als der Triller und wird mit einem nicht einmal einen Halbton tieferen Ton ausgeführt. Diese Verzierung spielt man auf einer langen Note, wenn der Ton an- oder abschwillt.

Einige schlagen es am äusseren Rand der Löcher, indem sie den Finger, der das Flattern ausführt, strecken; andere schlagen es auf dem ganzen Loch, manchmal sogar auf zwei Löchern, je nach anstrebte Stärke und Ausdruck. Der ausführende Finger muss am Ende abgehoben bleiben", so beschreibt Mahaut die Ausführung der Ornamentik auf der Blockflöte.

 

DIE ANWENDUNG DES FLATTEMENTS

Zur Anwendung des Flattements auf der Blockflöte in der Barockmusik schreibt Hotteterre weiter: "Im übrigen ist es sehr schwer, die Stellen erkennen zu lehren, an denen sie beim Spiel angebracht werden müssen. Das einzige, was man darüber im allgemeinen sagen kann, ist, dass die Flattements häufig auf langen Noten gemacht werden, wie z.B. auf dem Ganzen, dem Halben, auf der Punktierten und so fort. Für die Verwundung dieser Agréments kann man keine Regeln. Geschmack und Übung können mehr als die Theorie dazu beitragen, sie zur rechten Zeit anzuwenden. Das einzige, was ich raten kann, ist, in der ersten Zeit nur Stück zu spielen, in denen alle Agréments eingezeichnet sind. So gewöhnt man sich nach und nach daran, sie auf de Noten zu machen, bei denen sie von grosser Wirkung sind."

 

Delusse wandte das Flattement „so oft wie möglich“ an und gab dies als Grund dafür an, dass es in der Musik nicht notiert war. Er spielte auf langen Noten mit Crescendo und endete mit Kraft, um Feierlichkeit oder Schrecken auszudrücken. Auf kürzeren Noten gebrauchte der Musiker es, um, sanfter gespielt, Schmerz und Überdruss darzustellen. Auf den ganz kurzen Noten setzte Delusse das Flattement ein, um die Melodie gefälliger und zarter zu gestalten. Er fügte hinzu, dass der Geschmack allein der Inspirator sei.

 

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER

Es bedarf ein wenig Übung, bis man auf allen Blockflöten das richtige Mass an Flattement gefunden und einstudiert hat. Sobald man diese Form der Ornamentik jedoch beherrscht, besitzt man einen reichen Fundus an klanglichen Möglichkeiten, die man in der Barockmusik einsetzen kann. Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, sein persönliches Flattement auf allen barocken Blockflöten zu suchen und zu finden!

 

Sabrina Frey 

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