AFMB - Agentur für Meinungsbildung
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Barocke Triller auf der Blockflöte

2 Jun 2015

 

 

Die differenzierte Ausführung eines Trillers in der Barockmusik auf der Blockflöte ist essentiell für die Interpretation eines Werkes. So möchte ich hier dem Triller einen eigenen Blog widmen mit einigen historischen Stimmen der Quellen.

 

Dem Spieler sollte bewusst sein, dass der Triller eine Verzierung in der Musik ist, die gestaltet werden kann und muss. Obwohl dem Spieler der Blockflöte viele Möglichkeiten gegeben sind, wie sie den Triller gestalten, gibt es doch einige allgemeine Regeln der Zeitgenossen, die ich gerne hier aufführen möchte:

 

Quantz schreibt: „Ein jeder Triller darf nicht mehr als den Raum von einem ganzen oder halben Tone einnehmen; nachdem es nämlich die Tonart, und die Note, von welcher der Triller seinen Ursprung nimmt, erfordert“. Der Triller ist also eine schnelle Bewegung der Finger um Tonumfang eines Halbton- oder Ganztonschrittes.

 

Der Triller auf der Blockflöte und anderen Instrumenten, die Barockmusik interpretieren, sollte zudem immer auf dem Schlag und im allgemeinen in der hochbarocken Musik mit der nächst höheren Note beginnen -  ausser wenn ein Vorhalt von unten vorausgeht. Couperin schreibt: „Man beginnt den Triller auf der Note über der Hauptnote“ und Quantz erklärt „Jeder Triller nimmt von dem, vor seiner Note, entweder von oben oder von unten zu nehmenden Vorschlage, seinen Anfang.“

 

Der Trillerbeginn ist, je nach dem Notenwert, auf dem der Triller gespielt wird, länger oder kürzer, jedoch stets betont. „Man führt den Triller aus, indem man auf der Note, die direkt vor dem Triller steht, verweilt, und anschliessend trillert“, so beschreibt Choquel. 

 

Wenn die Hauptnote genügend lange ist, werden die Trillerschläge immer  schneller und an seinem Ende entsteht eine Pause oder ein Aushalten der Hauptnote. Wichtig bei der Ausführung des Trillers auf der Flöte ist auch die Entwicklung der Geschwindigkeit. Van der Hagen schreibt: „Um gut zu trillern  - was auf jedem Instrument ein Verdienst ist - bewegt man die Finger zuerst sehr langsam und dann immer schneller, indem man den Ton anschwellen lässt und beendet den Triller so schnell wie möglich.“

 

Und auch Quantz gibt detaillierte Anweisungen für die Ausübung des Trillers auf der Flöte in der Barockmusik: „Nicht alle Triller dürfen in einerley Geschwindigkeit geschlagen werden,: sondern man muss sich hierin so wohl nach dem Orte wo man spielet, als nach der Sache selbst, die man auszuführen hat, richten. Spielet man an einem grossen Orte, wo es sehr schallet; so wird ein etwas langsamer Triller bessere Wirkung tun, als ein geschwinder. (…) Spielet man hingegen in einem kleinen und tapezirten Zimmer, wo die Zuhörer nahe dabey stehen; so wird ein geschwinder Triller besser seyn, als ein langsamer. Man muss ferner unterscheiden wissen, was für Stücke man spielet; (…) In traurigen Stücken muss der Triller langsamer; in lustigen aber geschwinder geschlagen werden.(…)

Die rechte Geschwindigkeit eines ordentlichen guten Trillers genau zu bestimmen, dürfte wohl etwas schwer fallen. Doch glaube ich, dass es weder zu langsam noch zu geschwind sein würde, wenn man einen langen Triller, der zum Schluss vorbereitet, so schlüge, dass der Finger in der Zeit eines Pulsschlages (MM=80) nicht viel mehr als vier Bewegungen, und folglich acht solche Noten machte: In geschwinden und lustigen Stücken hingegen, können die kurzen Triller etwas geschwinder geschlagen werden. Man kann hier den Finger, in der Zeit eines Pulsschlages, noch ein- oder aufs höchste zweymal mehr aufheben.“

 

Die Trillerschläge auf der Blockflöte hören kurz vor dem Schluss auf der Hauptnote mit einer Unterbrechung auf. Das nannte man den „point d’arrêt“. 

 

Der Trillerabschluss wird immer schnell gespielt, ohne das Tempo des Stückes, in dem er steht, zu berücksichtigen. 

 

Nur einige Anregungen, wie man den Triller auf der Blockflöte interessant gestalten kann, findet man auf meinem Video. Es ist dabei zu beachten, dass man in der Barockmusik sehr genau nach den Stilen in Frankreich, Deutschland, England und Italien unterscheiden muss. Dies näher zu erläutern, würde jedoch diesen Text sprengen. Nun wünsche ich frohes Üben und Ausprobieren!

 

Sabrina Frey

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