AFMB - Agentur für Meinungsbildung
AFMB - Agentur für Meinungsbildung
AFMB - Agentur für Meinungsbildung

Alles andere als akademisch

 

Werbewirksam sind Geheimbünde, die quasi im Untergrund verbotene Künste pflegen, allemal. In einen Club von 'Arkadiern' in Rom um 1710 führt ein bereits rein musikalisch spannendes Konzept-Recital der Blockflötistin Sabrina Frey.

 

Der Reiz des Verbotenen betraf 1676 nach einem Verdikt von Papst Innozenz XI. (bis 1710 verlängert von Clemens XI.) zwar nur das weltliche Musiktheater - betroffen waren aber u.a. so talentierte Msuiker wie Alessandro Scarlatti, Kapellmeister bei Christina von Schweden, oder Giovanni Battista Bononcini. Was aus deren und anderer Feder in der 1690 nach Königin Christinas Tod zunächst von Literaten gegründeten Accademia dell'Arcadia an Kammermusik erklungen sein dürfte, führt Sabrina Frey anhand einer Auswahl von Werken der später hinzugekommenen Komponisten und Musiker vor.

 

Ein "Arcomelo Erimanteo": Corelli war dabei

 

Das bekannteste, schon 1689 in Rom gedruckte Werk dürfte die Triosonate op. 3 Nr. 6 von Arcangelo Corelli sein. Corelli hatte Christina sein Opus 1 gewidmet und war der neuen Akademie 1706 unter dem Arkadiernamen "Arcomelo Erimanteo" beigetreten. Sabrina Frey übernimmt mit ihrer Blockflöte einen der beiden gewöhnlich mit einer Violine besetzten Oberstimmenparts; das Continuo ist in ihrer Version opulent-orchestral mit Cello (Marco Frezzato), Cembalo (Philippe Grisvard), Barockgitarre bzw. alternativ Theorbe (Vincent Flückinger) und Orgelpositiv (Noki Kitaya) besetzt. Die alternierenden Register - Violine (zurückhaltend Fiorenza de Donatis) und Gitarre, Blockflöte und Orgel - trennen und vermischen sich wunderbar, es ist eine reiche und und bunte Interpretation, die in ihrer Farbigkeit viele neue Aspekte bietet.

 

Ignazio Sieber ist immer noch ein Geheimtipp

 

Dieses und weitere Stücke blieben natürlich keineswegs geheim, sondern wurden teilweise nach 1710 zum Teil in verschiedenen Drucken überliefert (andere Sonaten, etwa die hier vertretenen Bononcinis und Valentinis, sind hingegen offenbar nur als Manuskript greifbar). Herausragend und anregend dürften besonders die sechs Flötensonaten des um 1680 geborenen und in Venedig neben Vivaldi am Ospedale della pietà als Lehrer wirkende Ignazio Sieber erscheinen, die für die Schweizerin Frey Ausgangspunkt des Albumkonzepts waren (Sieber war kein Mitglied der Accacemia, aber offenbar in deren Umkreis mit seiner Musik präsent). Das Preludio der achten 'Sonata di camera' rechtfertigt in seiner melodischen und harmonischen Erfindung eine Heraustellung ebenso wie der beeindruckend virtuose Auftritt Freys im die siebte Sonate abschließenden Capriccio. Neben der wunderbar spitz begonnenen, sorgsam in den Klangfarben variierten Ciacona aus einer Sonate Benedetto Marcellos stechen für mich aber die beiden das Programm rahmenden Concerti noch mehr heraus: Was hier tatsächlich mit wenigen Stimmen (zwei Violinen), aber fantasievollem Continuosatz dargeboten wird, ist ganz große konzertante Barockmusik, gekrönt von ebenso virtuoser wie gefühlvoller Darstellung der solistischen Blockföte in einem homogenen, dank Freys gleichzeitiger Direktion souverän aufeinander abgestimmen Ensembleklang. Der Vivaldis konzertante Theatralität mühelos erreichende dritte Satz des einleitenden Concertos etwa - kleiner Sturm, feiner Übergang zum finalen Allegro mit scheinfugierter Stimmenschichtung - wird mit einer Spielfreude dargeboten, die für den (und im) Rest des Programms nachhaltig begeistert. Der zwar informative, aber auch etwas bemühte (und nicht allzu gut redigierte) Booklettext Sabrina Freys tritt da zurück hinter das Geschenk der vermittelten kaum bekannten Werke.

 

Anbei der Link zur Kritik auf Klassik.com

Please reload

Featured Posts

G.Ph.Telemann: Sonate in f-Moll für Blockflöte und B.c. 2.) Allegro

16 Sep 2014

1/4
Please reload

Recent Posts
Please reload

Archive
Search By Tags
Please reload

Please reload

Follow Us
  • Facebook Reflexion
  • YouTube-Reflexion
  • Google + Reflexion